Rede von Stadtrat Jörg Stern zur Vorplanung der Lessingschule in Kamenz (27.03.2019)

Stadtrat Jörg Stern

- es gilt das gesprochene Wort -

Redemanuskript

Sehr geehrter Herr OB, sehr geehrte Vertreter des LRA Bautzen, liebe Kollegen und Gäste,

Sie werden verstehen, dass ich mich nach dem Stadtentwicklungsausschuss und der Resonanz in Artikel und Kommentar von Herrn Oehl heute auf jeden Fall noch einmal äußern muss.
Mir ist klar, dass nach dem langen und harten Kampf für das Projekt Kritik nicht gern gehört wird, aber das ist nun mal eine der Hauptaufgaben eines Abgeordneten, zu kontrollieren und wenn nötig zu kritisieren.
Eine Ausschusssitzung dient der Vorbereitung des Stadtrates. Dort sollte man meiner Meinung nach der Sache auf den Grund gehen, Fragen stellen und auf Probleme aufmerksam machen. Ich habe gesagt, dass ich keine ausgewogene Schaufensterrede gehalten, sondern einige der leider zahlreichen Kritikpunkte nenne. Das hat nichts mit irgendwelchen alten Ressentiments zu tun, sondern mit der Zukunft von Schule und Stadt.
Leider waren auch einige Aussagen des Artikels fehlerhaft. Die energetische Sanierung der Schule ist noch nicht oder nicht vollständig erfolgt. Jedenfalls sind die undichten Fenster und alten Heizkörper noch da und werden hoffentlich ausgetauscht.
Die brandschutztechnische Sanierung hat besonders die berühmte Aula bizarr verändert mit Metalltür und Durchbruch.
Den Altbau wird man von Norden her hinter dem vierstöckigen Neubau nicht sehen, außer von einem Flugzeug aus.
Welche 8 von 9 Ideen des Schulleiters in die Bauplanung eingeflossen sein sollen, ist rätselhaft.
Ihm wurde letzte Woche gesagt, im Gegensatz zur Aussage von Herrn Opitz im Ausschuss, dass wir auf ein grünes Klassenzimmer verzichten sollen.
Aus Kostengründen gibt es Streichungen, die wahrscheinlich noch nicht zu Ende sind. In den letzten Tagen wurde die begehbare Dachterrasse und die Medienzuleitung (Wasser, Strom, usw. von oben in den Fachkabinetten gestrichen, d.h. man kann jahrzehntelang die Tische nicht umstellen, wie es z.B. im Lessing- Gymnasium Hoyerswerda möglich und in der OS HY geplant ist.
In der Veranstaltung in der Stadtwerkstatt wurde gesagt, wir bekommen keinen Mercedes, aber einen VW Golf und das wäre ja auch toll. Wir bekommen vielleicht einen VW Golf, aber ein etwas älteres Modell (so ca. 30 Jahre alt) mit einigen neuen Teilen und einigen Aufhübschungen und vielleicht auch nur noch einen Polo. Das ist keine Katastrophe und wir können da bestimmt guten Unterricht machen, ein modernes Projekt für die Zukunft ist es aber kaum.
Ich freue mich: Wir bekommen ein neues Gebäude mit hellen Räumen, mit moderner Belüftung, die uns die Klimaerwärmung hoffentlich besser aushalten lässt, mit moderner digitaler Technik. Ich freue mich auf den schönen Schulhof und hoffe, dass die Zusammenarbeit mit der Bibliothek einige der Defizite wenigstens teilweise verringern kann.


Die Hauptkritikpunkte bleiben aber:
1. schlechte Kommunikation – die Schule/die späteren Nutzer, die nach DIN 18205 einzubeziehen sind, haben kaum eingreifen können, da Grundriss und vieles andere von Beginn an vorgegeben war, oft wurde die Schule spät oder gar nicht informiert, auf Fragen wurde oft nicht geantwortet.
2.  Die Schule ist zu klein. Sie wird dreizügig gebaut, obwohl wir in 2 Jahren eine vollständig vierzügige Sek I haben. Vielleicht sollte der Landkreis mal seine Schulnetzplanung ändern, wenn die gesetzlichen Regelungen (der Zugang zum Gymnasium) sich geändert haben.
Wir sind voll ausgelastet und vielleicht fehlen schon in 3-4 Jahren erste Räume. Es fehlen Fachkabinette für Bio und Ph, d.h. Lehrerexperimente werden in normalen Klassenzimmern schwierig, Schülerexperimente fast unmöglich.
Die Musiklehrerin hat gesagt, dass sie nach dem ihr vorliegenden Plan nur einen kleineren Raum statt bisher statt drei Musikzimmern hat, d.h. sie kann den Lehrplan nicht vollständig erfüllen (Tanz, Instrumente spielen, Gruppenarbeit) und weiß nicht, wo sie die 15 Keyboards, die Gitarren und die anderen Instrumente hinstellen soll. Für den Tanz benötigt man einen größeren Raum.
3.  Die Schule wird, etwas modifiziert, nach dem Schulraumkonzept von 1992 gebaut, was vom Freistaat schon seit einigen Jahren abgeschafft wurde.
Vieles gab es 1992 noch nicht und daraus ergeben sich einige Probleme:
Sieben Beratungs-, Integrationslehrer und der Schulsozialarbeiter müssen sich dann einen 16m²- Raum teilen. Wo sollen sie ungestört Beratungsgespräche durchführen.
Moderne Lernlandschaften einen entsprechenden Unterricht sind nicht vorgesehen, d.h. für Frei- oder Gruppenarbeit braucht man einige flexible Räumlichkeiten. Wegen des knappen Raumangebots kann man kaum ausweichen.
In der Schule fehlt der Platz für die umfangreichen Sammlungen. Nicht alles kann man digitalisieren.
Da kaum Sammlungs- oder Vorbereitungsräume vorgesehen sind, fehlen auch Arbeitsmöglichkeiten für die Lehrer in den Freistunden.
4.  Besonders problematisch ist der Sportunterricht. Da er bis zu dem zeitlich unbestimmten Bau einer Sporthalle an der Schule oder am Jahnsportpark überwiegend an der Macherstraße stattfinden soll, verlängert sich durch den Weg die sowieso schon lange Stundentafel um 1-2 Stunden.
Mich würde auch interessieren, wie die Schüler zur Sporthalle gelangen sollen. Mir mehreren Klassen wären die Linienbusse überfordert. Wer trägt die Kosten für die ca. 40% Schüler ohne Monatskarten.
5. Mich würde interessieren, wie groß die Mensa wird. Nach meinen Erfahrungen an unserer Schule und am Lessing-Gymnasium Hoyerswerda werden für 700 Schülern mindestens 160 Sitzplätze benötigt.
6. Über ein Verkehrskonzept haben wir im Stadtentwicklungsausschuss vor ca. 2 Jahren gesprochen.
Seitdem habe ich nichts mehr davon gehört, wahrscheinlich wegen der Arbeitsüberlastung.
Ich halte es für sehr wichtig, da der Schulweg für Fußgänger und besonders für Radfahrer problematischer ist als am bisherigen Standort.

 

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Weitere Infos von Jörg Stern:

Anworten von Landratsvize Witschas (sinngemäß): Wir bekommen die modernste Schule weit und breit. Gerade für den Breitbandausbau werden große Mittel in die Hand genommen. Er kann keine Schule bauen, die zu groß ist und damit teurer ist (Kontrolle des Freistaates) und er kann wegen den anderen Standorten im Landkreis hier nicht eine viel modernere Schule bauen. Wenn sie zu klein ist, kann man an der Haberkornstraße anbauen.

Antworten von Herrn Opitz (LRA, Bau): Die Dachterrasse wird wegen dem Dachaufbau, Kosten und Sicherheitsbedenken nicht gebaut. Die Medienversorgung von oben wurde in Bautzen ausprobiert, ist teuer in Bau und Wartung und die besonderen Möglichkeiten werden kaum genutzt.

Die Mensa kann mit 220 Plätzen bestuhlt werden.

Anwort von OB Dantz: Das Verkehrskonzept wird in der nächsten Zeit erarbeitet.

Die Zeitungsartikel von Herrn Oehl findet man auf der Kamenzer Seite der Sächsischen Zeitung

Vom 9./10.03.2019 und am 30./31.03.2019