Die Freie Alternative Schule und die Stadt Kamenz

Jörg Stern

Nach der Pressemitteilung der Stadt Kamenz vom 17.6. wird das Angebot einer Freien Schule als eine Bereicherung der Bildungslandschaft gesehen und die Initiative dazu grundsätzlich begrüßt, deren Umsetzung am Standort Brauna aber aus stadtplanerischer Sicht und wegen der schwierigen Erschließungssituation nicht möglich erscheint.

Ob das wirklich so ist, ist sehr umstritten, wie die sehr knappe Abstimmung im Stadtrat am 3.6. über die Zurückstellung des Bauantrages des FAS e.V. (nach §15 BauGB) für die Dauer von bis zu 12 Monaten zeigte. Dieser Antrag war kurzfristig als Tischvorlage eingebracht worden und wurde in nichtöffentlicher Sitzung diskutiert und beschlossen, während in der ursprünglichen Vorlage die Hindernisse für die Genehmigung des Bauantrages weitgehend ausgeräumt waren (Konflikte mit Wohnbebauung, Verkehrserschließung, Brandschutz usw.). Das weckt zumindest Zweifel, ob es hier um baurechtliche Sachen geht oder ob eine Freie Schule, auf jedem Fall an diesem Standort, verhindert werden soll.

Eine Initiativgruppe, aus der besonders Herr Jank in der Öffentlichkeit auftritt, versucht seit einiger Zeit, in Kamenz eine Freie Alternative Schule zu gründen. Die Vorbereitungen sind relativ weit gediehen. Die Unterlagen wurden zum Termin an die Verantwortlichen im Kultusministerium eingereicht, ein Gebäude für einen Beginn mit dem ehemaligen Schloß in Brauna gefunden, welches bisher als Kinderheim genutzt wurde.

Andere Standortwünsche der Initiative im Stadtgebiet, wie die ehemalige Grundschule in Bernbruch, wurden von der Stadt abgelehnt, Angebote der Stadt, wie die KaBi neben dem Gymnasium, waren nach Meinung der Initiative ungeeignet. Ein intensiveres gemeinsames Suchen nach einer Lösung wäre wünschenswert gewesen.

Herr Jank warb in den letzten 9 Monaten bei den Stadtratsfraktionen und bei einer gut besuchten öffentlichen Versammlung für sein Vorhaben, wobei er nur teilweise überzeugen konnte.

Die Befürchtung von Bürgern und Stadträten ist, vor allem aus Brauna und anderen Ortsteilen der ehemaligen Gemeinde Schönteichen, dass die FAS den Fortbestand der Grundschule Brauna gefährdet, weil dann die notwendigen Schülerzahlen vielleicht nicht mehr erreicht werden.

Dieses Problem hat meiner Meinung nach relativ wenig mit der Freien Alternativen Schule zu tun, da es kaum Überschneidungen der Schulbesuchswünsche geben wird. Ich habe vorgeschlagen, dass man nach anderen Lösungen für den Erhalt der GS suchen soll, wie Kooperation mit der Nachbargemeinde Neukirch, Werbung um Schüler aus dem Kernstadtgebiet, Übernahme der LRS-Klassen usw.

Meine Meinung ist, dass es in unserer Stadt eine gut ausgebaute Schullandschaft mit 4 Grund-, 2 Ober-, 3 Förderschulen, dem Gymnasium und dem Berufsschulzentrum gibt, die sich durch die Großinvestitionen in 2.Oberschule und Gymnasium noch weiter verbessert.

Trotzdem sollte man der Schulinitiative keine weiteren Steine in den Weg legen, weil in unserer pluraler und individueller werdenden Gesellschaft Alternativen auch in der Bildung von Teilen der Bevölkerung gewünscht werden und die Attraktivität und Anziehungskraft unserer Stadt damit weiter erhöht werden kann.


Jörg Stern, Stadtrat Bündnis 90/Die Grünen