Wie berechnet sich das Treibhausgas-Budget?

Die Erderwärmung hängt von den zusätzlichen menschlich veranlassten Treibhausgas(THG)-Emissionen ab. Je mehr THG-Emisssionen hinzukommen desto stärker wird die Erderwärmung.

Mit dem Übereinkommen von Paris (PA) hat sich Deutschland verpflichtet, die zusätzliche Erderwärmung möglichst auf 1,5-Grad zu begrenzen. Im PA sind jedoch keine Treibhausgasbudgets festgelegt. Das IPCC – der Weltklimarat – hat in seinem 1,5-Grad-Bericht zusammengestellt, wie viel Treibhausgase noch emittiert werden dürfen und zwar in Abhängigkeit von der angestrebten max. Erderwärmung. Bei einem 1,5-Grad-Ziel beträgt das Budget noch ca. 420 Gt CO2-Äquivalente, bei einem 2-Grad-Ziel ca. 1170 Gt CO2-Äquivalente, bei 1,75 Grad ca. 800 Gt ... (jeweils bei einer Wahrscheinlichkeit der Zielerreichung von 66% und gerechnet ab 1.1.2018 - so der 1,5-Grad-Bericht des IPCC/Weltklimarats, Chapter 2, Tab. 2.2, S. 108). Diese Budgets beziehen sich auf die Welt insgesamt.

Welchen fairen Anteil kann Deutschland davon für sich in Anspruch nehmen? 

Manche meinen, weil wir schon bisher einen überproportionalen Anteil an den THG-Emissionen hatten, stünde uns jetzt auch ein überproportionaler Anteil an dem Restbudget zu. Andere denken, wer das Problem durch schon bisher überproportionale THG-Emissionen verursacht hat, der muss einen größeren Anteil der Last tragen. Dies würde bedeuten, dass Deutschland nur ein unterproportionaler Anteil zusteht.

Wählt man den Mittelweg, so stünde Deutschland ein proportionaler Anteil zu. Zum Ausgleich der Verursachung des Problems könnte Deutschland die schon jetzt vom Klimawandel betroffenen Entwicklungsländer finanziell und mit Know-how unterstützen.

Bei einem Anteil Deutschlands an der Weltbevölkerung von ca. 1,1 % würde sich bei proportionaler Verteilung für die Zeit ab 1.1.2018 ein THG-Restbudget von 4,62 Gt auf das 1,5-Grad-Ziel bezogen ergeben. Davon sind bis Ende 2020 ca. 2,4 Gt bereits verbraucht. Es verbleiben somit noch ca. 2,2 Gt. Weil die Bundesregierung nicht gehandelt hat, stehen wir damit bei derzeitigen THG-Emissionen von jährlich mehr als 0,75 Gt kurz vor dem ökologischen Bankrott.

Da liegt es doch nahe, ein bisschen an den Zahlen zu drehen. Also verändern wir die Wahrscheinlichkeit der Zielerreichung von 66% auf 50% - bildlich gesprochen stürzt wahrscheinlich nicht jedes dritte, sondern jedes zweite Flugzeug ab. Damit ergäbe sich lt. IPCC ein THG-Budget von 580 Gt weltweit, auf Deutschland bezogen von ca. 6,38 Gt (1,1%) wovon nach Abzug der verbrauchten 2,4 Gt noch ca. 4 Gt verblieben. Das würde leider auch nicht sehr viel ändern – das Budget würde auf Basis der derzeitigen Emissionen auch nur noch gut fünf Jahre reichen.

Also ändern wir etwas an der Zielsetzung – schließlich heißt es im Abkommen „möglichst“ 1,5 Grad. Die Argumentation hat allerdings einen „Haken“ – die Bundesregierung hat den drohenden ökologischen Bankrott durch Untätigkeit selbst herbeigeführt. Wir erhöhen das Ziel trotzdem auf 1,75 Grad. Bei einer Wahrscheinlichkeit der Zielerreichung von 66 % beträgt das Budget dann weltweit 800 Gt, für Deutschland 8,8 Gt. Davon sind 2,4 Gt verbraucht. Das Restbudget ab 2021 beläuft sich dann auf ca. 6,4 Gt.  Die Emissionsziele des Klimaschutzgesetzes (Anlage 2 zu § 4) zugrunde gelegt würde dieses Restbudget bereits 2030 verbraucht sein.

Wir müssen weiter an den Zahlen drehen oder ... ?

Noch einmal das Ziel des Übereinkommens von Paris:

Die Erderwärmung soll möglichst auf zusätzliche 1,5 Grad begrenzt werden, d. h. alle Staaten sollen ihr Möglichstes tun.

Da wir mit der Berechnung und der Verteilung des auf Deutschland entfallenden Anteils am verbleibenden Treibhausgas-Budget Schwierigkeiten haben, bleibt nur eine Alternative:

Wir müssen unser Möglichstes tun – nur was heißt das?

Wir sollten zunächst jedenfalls alles unterlassen, was einer Reduzierung der THG-Emissionen zuwiderläuft – es unterlassen, 

  • weitere Autobahnen zu bauen,
  • ohne zwingenden Grund Beton zu verbauen,
  • Wälder zu roden,
  • eine industrielle Landwirtschaft zu subventionieren
  • Kohle für Kraftwerke zu importieren,
  • den Ausbau erneuerbarer Energien und der notwendigen Speicherung zu behindern,
  • ...

Und dann sollten wir einen Plan haben, wie Deutschland möglichst schnell Treibhausgas-Neutralität, Netto-Null-Emissionen erreicht – und nicht erst 2050.

Fazit

Unser Treibhausgas-Budget für Deutschland ist inzwischen so gering, dass wir kurz vor dem ökologischen Bankrott stehen – wir können nur noch unser Möglichstes tun und was heißt das genau?