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Der Maiszünsler war’s - Zur Mitgliederversammlung mit Infoveranstaltung und Diskussion um Genmais in der Region Pulsnitz-Kamenz

Sonntag, 8. März 2009

Zur Mitgliederversammlung mit Infoveranstaltung und Diskussion um Genmais in der Region Pulsnitz-Kamenz

Die Region um Pulsnitz und Kamenz  ist eine Hochburg des Anbaus von genetisch verändertem Mais der Sorte Mon 810. Und da das schon lange kein internes Grünenthema mehr ist sondern ein Problem, dass alle angeht, da fast alle irgendwie betroffen sind, gab es zur Mitgliederversammlung in Pulsnitz OT Friedersdorf einen Vortrag von zwei Experten auf diesem Gebiet. Da auch zahlreiche Interessenten zu dieser Veranstaltung gekommen waren, hielt sich Versammlungsleiter Jörg Stern nicht lang mit den Formalia auf, sondern, da inzwischen vielleicht noch nicht Experte, aber doch sehr gut informiert, stieg er sogleich in das Thema ein. Er hielt die Einleitung dazu, klärte auf über diese Maissorte und die Anbaugebiete beschrieb die Wellen, die lokal hochschlugen seit das Thema wieder von den Medien aufgenommen wurde. Schließlich trafen die bestellten Redner ein, ein Rechtsanwalt und Slow Food- Vertreter sowie ein Biolandwirt. Sie klärten auf über den grundsätzlichen Irrsinn, solchen Mais anzubauen, erläuterten die Schädlichkeit der Pflanzen für Mensch und Tier und die Verbreitungswege und -entfernungen des Pollens dieser Genpflanze.. Besonderes Augenmerk galt dabei den Bienen, den die sammeln eben diesen Pollen ein, tragen so zur Verbreitung bei. Das heißt also, dass bei Flugwegen von bis zu fünf Kilometern ein Vorgeschriebener Abstand von Mon810 bzw. Genmaisfeldern von 150 bis 500 Metern zu andern Nutzflächen absolute Makulatur sind. Und nicht zuletzt sei es für die Bienen selbst gefährlich, denn es sei inzwischen klar, dass das von den Maispflanzen selbst produzierte Gift gegen den Maiszünsler auch auf Bienen und Insekten fatal wirke. Und den Imkern bleibe, neben dem Verlust an Bienenvölkern nur noch, den Honig, der mit solchen Pollen verunreinigt ist, auf den Sondermüll zu schaffen. Der Biolandwirt erzählte von seinen Erfahrungen mit diesem Mon 810 und dass dem Maiszünsler, er kann für Ernteausfälle von bis zu 15 Prozent sorgen, auch auf ökologische Art beigekommen werden kann.

Den aufschlussreichen Vorträgen folgte die Diskussion und zu aller Überraschung hatte sich der Bauer, der diese 215 Hektar Genmais hier anbaut, in die „Höhle das Löwen“ getraut. An seiner Seite ein Vertreter der Firma Monsanto. Er erläuterte seine Beweggründe, diesen Mais anzubauen. Sie sind, kurz, rein ökonomischer Natur. Er begründete das mit Arbeitsplätzen Wettbewerbsfähigkeit. Der Monsantovertreter gebrauchte die Floskeln von behinderter Forschung in Deutschland durch die herrschenden Gesetze, erklärte, wie viel genetisch veränderte Nutzpflanzen es gibt, die sich auf Grund der Globalisierung so wie so in dem Essen finden, das wir kaufen. Für ihn ab es einfach keine Argumente gegen den Anbau genetisch veränderter Pflanzen, denn schließlich sei das zum Wohle der Menschheit.

Die daraus folgenden Diskussionen waren heftig, offen, aber nie hysterisch, sondern zum größten Teil sachlich, was auch dem Versammlungsleiter zu danken war. Das Argument des Nutzens für die Menschen wurde sofort ad absurdum geführt, denn weder der Hunger in der Welt hätte sich verringert, im Gegenteil und vor allem zeigten die Redner auf, dass die von Monsanto und Co. gängigen Geschäftsgebaren zahllose Kleinbauern zuerst in die Abhängigkeit und schließlich in den Ruin getrieben haben. Es war viel von Verantwortung die Rede, die jeder für sich in Anspruch nahm. Der Bauer vor allem für seine Mitarbeiter, die Grünen und die Gäste für Umwelt, Tiere und Mensch.

Freunde machten sich die beiden Befürworter ganz bestimmt nicht aber allgemein wurde der ihr Mut, hier aufzutreten, anerkannt. Da nicht endlos Zeit war und man so wie so nicht mehr von der Stelle kam, war die Diskussion nach gut einer Stunde zu ende, doch es soll eine Fortsetzungen geben. Die allerdings könnten sich zum Teil von allein erledigen, denn nach dem EU- Urteil zu der Berechtigung von nationalem Verboten von grüner Gentechnik und der Stimmung in Deutschland besteht die Hoffnung, dass auch der hiesige Bauer seinen Genmais bald vergessen kann. Dann muss er den Zünsler wieder auf normale Art jagen.

 

(FS)