PM 2009-4: Bündnisgrüne schicken Dr. Cordula Ratajczak ins Rennen um das Bundestagsdirektmandat
Freitag, 23. Januar 2009
Mit der Wahl der Kandidatin zur Bundestagswahl und der fünf Direktkandidaten zur Landtagswahl starten die Bündnisgrünen in das Superwahljahr 2009. Die Mitgliederversammlung des Kreisverbandes Bautzen gab am Donnerstag, dem 22.01.2008, der Bautznerin Cordula Ratajczak ein eindeutiges Votum. Bei nur einer Enthaltung und ohne Gegenstimme wurde sie zur Kandidatin für das Direktmandat bei der Bundestagswahl im Wahlkreis 157 (Bautzen-Kamenz-Hoyerswerda) gewählt. Die studierte Kulturanthropologin arbeitet derzeit an einem Forschungsprojekt „Sorbisch aus der Sicht Deutschsprachiger“ am Sorbischen Institut in Bautzen. Die 44jährige Mitinitiatorin der Grünen Landesarbeitsgruppe bikulturelle Lausitz, welche sich mit bikulturellen Perspektiven für die Lausitz beschäftigt, sieht ihre politischen Stärken in der Interkulturalität und im Bereich der Wirtschaft. Sie ist verheiratet, hat zwei Söhne und wohnt in Bautzen.
Dr. Ratajczak betonte in ihrer Bewerbungsrede, dass die Finanz- und Wirtschaftskrise nicht durch blindes „Augen-zu-und-durch“-Stolpern, sondern nur durch Umsteuern auf zukunftsfähige Strategien bewältigbar ist. „Weiter-so-wie-bisher heißt, den Karren wieder vor die Wand zu fahren. Klassische grüne Wirtschaftsfelder, wie erneuerbare Energien, sind heute Wachstumsgaranten. Wie unternehmerisches Handeln nicht durch Rückwärtsgewandtheit, sondern durch Zukunftsorientierung und Optimismus geprägt ist, muss auch Politik nach vorne denken und handeln. So wäre der Boom, bei den erneuerbaren Energien, ohne die Grünen nicht denkbar“, ist sich die Bündnisgrüne sicher.
Für den Wahlkreis 51 (Bischofswerda-Oberland) wird die Vorsitzende des Kreisverbandes der Bündnisgrünen, Susanne Wittmann-Beschel, antreten. Die 46jährige Juristin und Mutter von drei Kindern möchte sich für die Förderung des Ökolandbaus und für ein Umdenken in der Verkehrsplanung einsetzen. Gerade an der Planung von Radwegen müssen z.B. Radfahrer beteiligt werden, um zu sinnvollen und akzeptablen Wegführungen zu kommen. Außerdem müssen wir bei der Verkehrsplanung angesichts des demografischen Wandels komplett umdenken. Wo immer weniger Menschen leben, brauchen wir nicht immer mehr neue Straßen. Mobilität muss auch in ländlichen Regionen für alle gesichert sein, d.h. aber nicht, dass deshalb jeder ein Auto braucht. Wir brauchen nicht nur ein kostengünstiges und leistungsfähiges öffentliches Verkehrsnetz und mehr Radwege, sondern auch mehr Rücksichtnahme unter den Verkehrsteilnehmern. Jeder verunglückte Radfahrer oder Fußgänger ist einer zu viel. „Kostenlose Schulspeisung macht erst dann Sinn, wenn sie auch gesund und nahrhaft ist. Dies geht sicher nicht mit billigem Fertigspeisen sondern nur mit ökologischen Produkten aus der Region. Davon profitieren auch die Bauern vor Ort und ein Beitrag zum Klimaschutz ist es außerdem, denn im ökologischen Landbau wird deutlich weniger CO2 emittiert, als in der herkömmlichen Wirtschaftsweise. “
Im Wahlkreis 52 (Bautzen-Königswartha) setzen die Bündnisgrünen auf die 52jährige parteilose Annemarie Rentsch aus Königswartha. Die Mutter von zwei Töchtern arbeitet als Amtsleiterin in der Hauptverwaltung und Bürgerbüro der Gemeinde Königswartha. Als Kreisrätin der SPD/GRÜNE Fraktion setzt sie sich aktiv für den Erhalt der Mittelschule Königswartha ein. Im Landtag möchte sie sich nun für mehr Gemeinschaftsschulen und eine gesetzlich verbriefte Einzügigkeit von Mittelschulen für dünn besiedelte Region einsetzen. „Mit der Schließung von Mittelschulen in dünn besiedelten Regionen wird auf Dauer nicht nur das Vereinsleben gravierende Nachwuchssorgen erfahren. Die Schulpolitik der CDU mit der geforderten Zweizügigkeit an Mittelschulen ist selbst betriebswirtschaftlich nicht nachvollziehbar. Neu entstandene freie Schulen, die bereits mit nur einer Klassenstufe staatliche Zuwendungen erhalten und für deren Besuch Eltern nicht unerheblich zur Kasse gebeten werden, bringen Arm und Reich noch weiter auseinander. Der Staat muss seinem Bildungsauftrag endlich wieder gerecht werden – Bildung muss für alle da sein! Überhaupt liegt mir die Zukunft des ländlichen Raumes am Herzen; in dieser Verbindung natürlich auch die Veränderung der völlig falschen Bergbau-Politik in der Lausitz sowie die immer noch zu wenig genutzten Chancen für den Tourismus, die auch mit einer unterschwellig betriebenen Pflege der sorbischen Sprache und Kultur einhergehen. Außerdem: Wahlbeamte sollten ebenso, wie alle Beschäftigten im öffentlichen Dienst, einer leistungsorientierten Kontrolle unterliegen.“ fordert Annemarie Rentsch.
Der Kamenzer Gymnasiallehrer Jörg Stern, wird, wie schon bei der letzten Landtagswahl vor fünf Jahren, im Wahlkreis 53 (Kamenz) antreten. Der Vater zweier Kinder möchte sich besonders für die Datenautobahn Oberlausitz einsetzen. Breitbandversorgung sollte zu einem Grundversorgungsrecht werden, fordert der Vorsitzende des Bautzener Kreisverbandes.“Wenn Oberlausitzer Unternehmen damit drohen, ihren Standort zu verlegen, weil sie kein DSL bekommen, so ist ersichtlich, dass es sich nicht um ein Luxusproblem handelt, sondern um eine Grundversorgung.“ Ein besonderes Anliegen ist ihm zudem das Batteriewerk in Kamenz. „Wir haben hier eine einmalige Chance, in Kamenz Automobilgeschichte zu schreiben. Um diese zu nutzen, muss uns der Freistaat Sachsen kräftig unterstützen. Dafür will ich kämpfen“, verspricht Stern.
Der aus Lauta stammende Jens Bitzka tritt für die Bündnisgrünen im Wahlkreis 54 an. Im sogenannten Bananenwahlkreis (von Lauta aus macht er einen Bogen um Kamenz und endet vor Radeberg) strebt der 38jährige einen Achtungserfolg gegen Ministerpräsident Tillich, der ebenfalls in diesem Wahlkreis antritt. Trotz der prominenten Konkurrenz möchte er mit seiner Direktkandidatur für den Klimaschutz und die nötige Energiewende werben. „Wir Lausitzer sind durch den Klimawandel besonders betroffen. Ob Borkenkäfer, der uns hohe Verluste in unseren Wälder beschert oder sinkende Grundwasserspiegel, die ersten Anzeichen sind da. Leider handelt die Politik nicht, sondern verschiebt das Problem auf nächsten Generationen. Doch die Folgen werden immer schlimmer“, warnt Bitzka.
In Hoyerswerda, Wahlkreis 55, tritt der 51jährige Erzieher Thomas Stolle als Direktkandidat für die Grünen an. Der Vater von zwei erwachsenen Kindern möchte sich als Landtagsabgeordneter für eine landesweite Förderung des Ehrenamtes, insbesondere in Verbindung mit der Nachwuchsförderung einsetzen. Die bisherigen Regelungen greifen ihm zu kurz, sodass er sich sogar vorstellen kann, den Beruf gemessen am gesellschaftlichem Nutzen neu zu definieren. „Gefördert werden soll, was für unsere Gesellschaft nachhaltig ist. Angesichts des demografischen Wandels brauchen wir eine solidarische Gesellschaft, sonst haben wir keine Chance“, prognostiziert Stolle.
Der bündnisgrüne Kreisverband hat auf seiner Mitgliederversammlung einstimmig beschlossen, die sächsische Landtagsabgeordnete Antje Hermenau, zur Spitzenkandidatin der Grünen Landesliste für die Landtagswahl zu nominieren. In Vorbereitung der Kommunalwahlen haben sich die Bündnisgrünen entschlossen offene Listen anzubieten. Damit kann jeder, der sich mit den grünen Zielen identifizieren kann, zur Kommunalwahl auf den Listen der Grünen antreten.












