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Tag des offenen Denkmals/Landkreis Bautzen: 2015 wurden 22 Abrisse genehmigt, elf weitere Anträge liegen vor

MdL Wolfram Günther

Günther: Unwiederbringlicher Verlust an gebauter Kultur und Heimat
 

Dresden. Zum Tag des offenen Denkmals am 13. September erklärt Wolfram Günther, Sprecher für Denkmalschutz der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag:
 
"Im Landkreis Bautzen wurden seit 2000 mehr als 300 Baudenkmale abgebrochen. Zusätzlich wurden in den vergangenen zehn Jahren 648 Kulturdenkmale aus der Denkmalliste des Landes gestrichen und verloren damit ihren Schutzstatus." Das geht aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage des Abgeordneten hervor.
 
"Die Größenordnung dieses unwiederbringlichen Verlusts an gebauter Kultur und Heimat ist erschreckend. Die Städte und Gemeinden im Landkreis Bautzen haben ein gewaltiges Entwicklungspotenzial verloren. Der Landkreis Bautzen weist einen großen Reichtum an Bauzeugnissen vergangener Epochen auf, deren Bewahrung von hoher gesellschaftlicher Bedeutung ist. Die Anzahl der geschützten Kulturdenkmale im Landkreis belief sich zum 24. November 2014 auf nur noch 8.841. Zu den letzten Abrissen gehörte das Wohnhaus Am Elstergrund 20 in Hoyerswerda."
 
"Allein 2015 wurden im Landkreis Bautzen 22 Genehmigungen für Abrisse bzw. Teilabrisse von Kulturdenkmalen erteilt. Dies betrifft unter anderem drei Wohnhäuser, zwei Wohnstallhäuser, zwei Umgebindehäuser, zwei Gebäude einer Gutsschmiede und zwei Fachwerkhäuser. Den genauen Standort hat der Landkreis Bautzen im Gegensatz zu anderen von der Staatsregierung angefragten Landkreisen nicht benannt.
Für weitere elf denkmalgeschützte Objekte im Kreisgebiet wurde 2015 der Abriss beantragt. So ist unter anderem auch die Zukunft zweier Umgebindehäuser, dreier Brücken und eines barocken Hinterhauses ungewiss."
 
Seit dem Jahr 2000 wurden im Landkreis Bautzen 3,3 Prozent der dort vorhandenen Kulturdenkmale abgerissen. Seit 2005 verloren weitere sieben Prozent ihren Denkmalstatus.
 
"Trotz der Rettung zehntausender Kulturdenkmale in den vergangenen Jahren befinden sich in Sachsen ganze Denkmalgruppen in einem dramatischen Zustand. Dies betrifft sowohl die Gruppe der Schlösser, Gutshäuser und ländlichen Anwesen als auch zunehmend die technischen Denkmale. Hier fehlt es an ausreichender finanzieller Förderung," kritisiert Wolfram Günther.
 
"Mangelnde finanzielle Unterstützung beim Denkmalschutz schadet auch der heimischen Wirtschaft. Es sind Tausende Handwerker, Architekten, Beschäftigte in Bauunternehmen, Restauratoren, die einen wichtigen Teil des Bauwirtschaftsgewerbes ausmachen. Jeder Euro an staatlicher Denkmalförderung zieht ein Mehrfaches an privaten Investitionen nach sich", argumentiert er.
 
"Vor allem engagierte, private Denkmaleigentümer werden mangels ausreichender Förderung allein gelassen. Schon jetzt genügen die Zuschüsse nicht, um für wichtige Denkmale ein Minimum an Förderung bereitzustellen. Wenn aber weder saniert noch gesichert werden kann, drohen Verfall und Abriss. Diese Entwicklung muss dringend korrigiert werden. Sonst verschwinden allmählich immer mehr historische Bauten, wie Wohnstallhäuser, Bahnhofsgebäude oder alte Fabriken und Geschäftshäuser aus dem Ortsbild und letztlich auch aus unserem Gedächtnis," sagtt Günther.
 
Kleine Anfrage Wolfram Günther "Abriss von unter Denkmalschutz stehenden Gebäuden im Landkreis Bautzen" (Drs. 6/2395):
http://edas.landtag.sachsen.de/viewer.aspx?dok_nr=2395&dok_art=Drs&leg_per=6&pos_dok=1

 
Kleine Anfrage Wolfram Günther "Aktuelle Anzahl der sächsischen Kulturdenkmale und Verlust an Kulturdenkmalen seit dem Jahr 2000" (Drs. 6/274): http://edas.landtag.sachsen.de/viewer.aspx?dok_nr=274&dok_art=Drs&leg_per=6&pos_dok=202

 

Quelle: Pressemitteilung Landtagsfraktion