Kreisvorsitzender

Jens Bitzka

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NRW-Bierflasche auch in Sachsen gefährdet

Seit etwa 2 Jahren gibt es dramatische Veränderungen im Mehrwegbereich der Bierbranche. Durch die zunehmende Einführung von Individualleergut (in Glas gebrändete Flaschen) und andere vielfältige Flaschenformen (Weißglas, Grünglas) ist der Anteil des nicht verwendbaren Leergutes bei 20 – 25 % in Brauerein angekommen. In Extremfällen, d. h. Kastenrücklauf aus dem Ferngebiet (Berlin, Nordrhein Westfalen) beträgt der nicht verwendbare Flaschenanteil in Sachsen über 50 % .

 

Viele Jahre gab es in Deutschland einheitliche Bierpfandflaschen. Bis Ende der 80er gab es in Ost- und Westdeutschland hauptsächlich die 0,5 Liter Bierflasche mit dem Namen „Euroflasche“. Auch gab es (in Westdeutschland) einen einheitlichen Eurokasten (Ochsenblutkasten). Kurze Logistikwege und hohe Wirkungsgrade der Abfüllanlagen waren selbstverständlich, da die Flaschen überall abgegeben werden konnten und auch in fast jeder Brauerei wieder befüllt wurden.

 

NRW-Bierflaschen

NRW-Bierflaschen

Seit etwa 2 Jahren gibt es dramatische Veränderungen im Mehrwegbereich der Bierbranche. Durch die zunehmende Einführung von Individualleergut (in Glas gebrändete Flaschen) und andere vielfältige Flaschenformen (Weißglas, Grünglas) ist der Anteil des nicht verwendbaren Leergutes bei 20 – 25 % in Brauerein angekommen. In Extremfällen, d. h. Kastenrücklauf aus dem Ferngebiet (Berlin, Nordrhein Westfalen) beträgt der nicht verwendbare Flaschenanteil in Sachsen über 50 % .

Viele Jahre gab es in Deutschland einheitliche Bierpfandflaschen. Bis Ende der 80er gab es in Ost- und Westdeutschland hauptsächlich die 0,5 Liter Bierflasche mit dem Namen „Euroflasche“. Auch gab es (in Westdeutschland) einen einheitlichen Eurokasten (Ochsenblutkasten). Kurze Logistikwege und hohe Wirkungsgrade der Abfüllanlagen waren selbstverständlich, da die Flaschen überall abgegeben werden konnten und auch in fast jeder Brauerei wieder befüllt wurden.

Zu Beginn der 90er Jahre setzten viele Brauereien auf die Marketingkraft eines eigenen Individualkastens. Bei der Gelegenheit wurde die „Euroflasche“ durch die „NRW-Flasche“ ersetzt. Die Individualkasten brachten natürlich einen logistischen und ökologischen Nachteil mit sich. Die Kisten mussten als Leergut zur Brauerei zurück gebracht werden und der Handel stand entsprechenden Sortier- und Lagerproblemen gegenüber. Doch zumindest die Flaschen konnten weiterhin untereinander verwendet werden.

Nach dem Jahr 2000 begannen einige Brauerein mit dem Einsatz von Individualpfandflaschen neuer Form. Flaschen mit Embossing (Prägung) wurden eingeführt, aber auch verschiedenfarbige Flaschen. Was anfangs als clevere Marketingstrategie galt, wurde schnell zum Problem für alle Brauereien. Der Anteil an Fremdleergut, also im Betrieb nicht verwendbarer Flaschen stieg, und es musste aufwendig sortiert werden. Das brachte hohe Kosten durch zusätzliches Personal und / oder Investitionen in teure Sortieranlagen mit sich.
Ganz zur Freude diverser Logistikdienstleister und Getränkegroßhändler. Diese entdeckten Sortieraufgaben in Verbindung mit dem Handel gebrauchter Flaschen als lukrative Marktlücke. Für die Sortierung stellen diese den Brauerein derzeit 25 Cent pro Kasten in Rechnung. Brauerein die nicht „Fremdsortieren“ lassen wollen, und somit auch die 25 Cent nicht bezahlen wollen, bekommen vom Getränkehändler noch mehr fremdes Leergut. Branchenkenner sprechen von Erpressung ...

Einheits-Mehrwegflaschen sind grundsätzlich kostengünstig und umweltfreundlich, da sie beim jeweils nächstgelegenen Abfüller wieder eingesetzt werden können. Insgesamt werden zudem weniger Flaschen benötigt als bei dem Einsatz von Individualflaschen.

Wohin sich der Markt entwickelt, bleibt abzuwarten. Auch die Zukunft des Mehrwegsystems kann als gefährdet angesehen werden, da ökologische Probleme durch lange Transportwege unvermeidbar sind. Ob es von der Bundespolitik (Verpackungsverordnung) eine Rettungsmöglichkeit für die NRW-Flasche gibt und Privatbrauerein vor hohen Kosten, und vielleicht vor der Pleite schützt, bleibt abzuwarten.

Jens Bitzka

Hintergrund:

Im November 2010 hat sich eine Lausitzer Privatbrauerei bei der Grünen Landtagsabgeordneten Antje Hermenau gemeldet und über die Probleme im Mehrwegbereich in der Bierbranche informiert. Die Landtagsabgeornete und ihr Mitarbeiter Jens Bitzka informierte sich noch im gleichen Monat direkt vor Ort in der entsprechenden Brauerei. Dort erfuhren sie dass das Einwegprobleme in jedem Fall für den Mittelstand zu nicht tragbaren Mehrkosten führt und die Nichtregulierung des Mehrwegproblems bezüglich Flaschenform und Größe langfristig zum Exitus des Mehrwegsystems zu Folge haben wird.


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Quelle: BÜNDNISPOST Feb./März 2011 (Mitgliederzeitung BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN KV Bautzen)