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Domenico Gruhn: Ist die Oberlausitz schon abgeschrieben?

„Der Kampf gegen Rechts“ ist eins der Markenkerne bündnisgrüner Politik. Dies zumindest sagen Parteienforscher und auch bei den Wahlplakaten zur Landtags- oder Bundestagswahl ist immer eins gegen Nazis dabei.

2011 hat die Landtagsfraktion von BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN und insbesondere ihr Landtagsabgeordnete Miro Jennerjahn mit einem Video viel Aufmerksamkeit erregt. Auf Youtube, einer Videoplattform im Internet, war eine Landtagsrede von Miro wochenlang der Renner. Eigentlich war es „nur“ ein Redebeitrag in einer Landtagsdebatte. Doch dieser hatte es in sich. Da mussten sich die Nazis anhören, aus wie vielen Fremd- und Lehnwörtern die deutsche Sprache besteht. Selbst mir war es bisher nicht bewusst, dass sogar der bekannte „Quark“ aus dem niedersorbischen Sprachgebrauch stammt. Geärgert hat die Rede vor allem die Nazis. Sind es doch gerade sie, die dafür bekannt sind, dass sie die deutschen Sprache von allen Fremdwörtern rein halten wollen. Aus „Internetseiten“ werden bei ihnen „Weltnetzseiten“ und aus „Email“ wird „Epost“. Doch nun mussten sie erfahren, dass selbst das oft genutzte Wort „Feuer“ nicht dem Germanischen entstammt. Inzwischen wurde das Video mehr als 300.000 mal im Internet aufgerufen. Ein Erfolg, der sich sehen lassen kann.

Domenico Gruhn

„Der Kampf gegen Rechts“ ist eins der Markenkerne bündnisgrüner Politik. Dies zumindest sagen Parteienforscher und auch bei den Wahlplakaten zur Landtags- oder Bundestagswahl ist immer eins gegen Nazis dabei. 

2011 hat die Landtagsfraktion von BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN und insbesondere ihr Landtagsabgeordnete Miro Jennerjahn mit einem Video viel Aufmerksamkeit erregt. Auf Youtube, einer Videoplattform im Internet, war eine Landtagsrede von Miro wochenlang der Renner. Eigentlich war es „nur“ ein Redebeitrag in einer Landtagsdebatte. Doch dieser hatte es in sich. Da mussten sich die Nazis anhören, aus wie vielen Fremd- und Lehnwörtern die deutsche Sprache besteht. Selbst mir war es bisher nicht bewusst, dass sogar der bekannte „Quark“ aus dem niedersorbischen Sprachgebrauch stammt. Geärgert hat die Rede vor allem die Nazis. Sind es doch gerade sie, die dafür bekannt sind, dass sie die deutschen Sprache von allen Fremdwörtern rein halten wollen. Aus „Internetseiten“ werden bei ihnen „Weltnetzseiten“ und aus „Email“ wird „Epost“. Doch nun mussten sie erfahren, dass selbst das oft genutzte Wort „Feuer“ nicht dem Germanischen entstammt. Inzwischen wurde das Video mehr als 300.000 mal im Internet aufgerufen. Ein Erfolg, der sich sehen lassen kann. 

Doch wo es Licht gibt, ist oft auch Schatten. So wird diese Tage wieder gegen den Aufmarsch der Nazis in Dresden aufgerufen. Bundesweit sollen die Menschen nach Dresden kommen, um den Aufzug der Nazis zu blockieren. Selbst unsere sächsischen Bundestagsmitglieder Monika Lazar und Stephan Kühn posieren auf einem Video, um die Leute nach Dresden zu locken. Dagegen ist freilich nicht einzuwenden. Doch wenn die NPD ihren Parteitag in Ostritz (Landkreis Görlitz) veranstaltet oder das Pressefest des Hausverlages der NPD im Niederschlesischen Feriendorf bei Niesky stattfindet, rührt sich kein sichtbarer Protest bei unseren Mandatsträgern. Ostsachsen ist nicht Dresden oder Leipzig, ist nicht ARD oder TAZ, Ostsachsen ist vielleicht zum Wandern schön, aber wichtig ist es wahrlich nicht – so mein Eindruck. Anders als in den Großstädten, sind die ländlichen Regionen oftmals die Brutstätten rechten Gedankengut. Oft schaut hier Keiner hin, wenn sich Nazis treffen, wenn sich rechte Jugendclubs bilden oder Menschen verachtende Propaganda verteilt wird. Ich selbst habe es letztes Jahr beim Fasching in Wittichenau erlebt. Da regte sich kein Widerstand als am helllichtem Tag auf voller Straße Besoffene den Hitlergruß grölten. Wegschauen ist auch eine Form der Akzeptanz solcher Umtriebe. Leider ist es auch so, dass die Menschen hier offener für rechtes Gedankengut sind. Es fehlt an Freizeitangeboten für Jugendliche, an persönlichen Perspektiven und an Vertrauen in die Politik. 

Doch es gibt auch kleine Pflänzchen von engagierten Menschen, die hier ihre Zukunft sehen. Einige wollten nicht mehr wegschauen und schweigen und haben sich deshalb zu einem Bündnis „Bunter Schall als Widerhall“ zusammengeschlossen. Sie wollten nicht, dass das letztjährige Pressefest der NPD ohne sichtbaren Widerstand stattfindet. Deshalb wurden Plakate mit der Aufschrift „Für Quitzdorf nur bunte Gäste“ gedruckt und an den Straßen aufgehangen. 

Das kam bei der Bevölkerung sehr gut an. Inzwischen ist das Bündnis Träger des sächsischen Demokratiepreises. Was eigentlich fehlt, ist die Unterstützung unserer gewählten Mandatsträger. Während sich die Bürgermeister vor Ort noch hinter ihrem „zur Neutralität“ verpflichtendem Amt verstecken, fehlen unsere Mandatsträger aus Land- und Bundestag völlig.Wie glaubhaft ist ihr Engagement, wenn es sich nur auf Großstädte bezieht? Zumindest die Initiatoren des sächsischen Demokratiepreises haben erkannt, dass der Kampf gegen Nazis im ländlichen Raum beginnt. Leider scheint dies noch nicht bei unseren Mandatsträgern angekommen zu sein. 

 

Domenico Gruhn, 

Mitglied BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN Bautzen

 

Quelle: Bündnispost Februar 2012