Das Maß ist übervoll - Jörg Stern zur Schändung der Gedenksteine
Montag, 3. November 2008
Voller Abscheu und Empörung erfuhr ich Mitte Oktober, dass die in Kamenz angebrachten Gedenksteine für die von den Nationalsozialisten ermordeten Kamenzer Bürger Adolf Grünberger und Dr. Bernhard Wensch noch in der ersten Nacht geschändet wurden. Die Bronzeplatte für den katholischen Priester und Nazigegner Dr. Wensch wurde entwendet, der Stolperstein für den jüdischen Kaufmann Adolf Grünberger mit Teer beschmiert.
Leider können wir schon nicht mehr sagen: „Wehret den Anfängen!“ Rassistisches und neonazistisches Gedankengut ist weit verbreitet, wie die zweistelligen Wahlergebnisse für die NPD in Kamenz und einigen Nachbargemeinden zeigen, also für eine Partei, die die Verbrechen des Nationalsozialismus verharmlost oder sogar negiert. Vor wenigen Wochen marschierten Neonazis, darunter auch Kamenzer, durch die Stadt, die einen „Nationalen Sozialismus- jetzt!“ forderten und vom baldigen Untergang des schwarz- rot- goldenen Systems träumen. Rechtsextreme Gewalttaten, bis hin zu Morden, nehmen in Deutschland zu.
Wir fordern alle Demokraten, alle Menschen guten Willens auf, sich gemeinsam dieser Entwicklung entgegen zu stellen. Mit Wegschauen und Nichtstun stärken wir die Feinde unserer freiheitlichen Ordnung. Eine besondere Verantwortung kommt dabei Elternhäusern, Vereinen und Schulen zu. Es kann nicht sein, dass Schüler erst im 9. Schuljahr etwas über den Nationalsozialismus und seine Verbrechen erfahren. Die braunen „Rattenfänger“ haben da schon längst versucht, mit Freizeitaktivitäten, Musik und Geborgenheit in der Gruppe, eine Anhängerschaft zu rekrutieren.
Jörg Stern, Kreisvorsitzender BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Stadtrat in Kamenz







